Kategorie: Verkehrsberuhigung

. . . eine Verkehrsberuhigung schafft eine entspannte Atmosphäre, die zum Verweilen einlädt

Antwort auf den Artikel von Peter Freudenberger am 22. März 2018 im Main-Echo „Dalbergstraße: Politik für Einbahnregel“

Zukunftsweisende Altstadtgestaltung – ideenreich und kreativ!

Aschaffenburg in Unterfranken – das bayrische Nizza am Main. Kunst, Kultur, Besucher, Touristen, Feste, feiern – ein Hoch auf das Kleinod in der Mitte von Deutschland.

Das Schloss, die Kirchen, Kunsträume, hübsche Gebäude mit Fachwerk, alte Häuser, die sich beim letzten Bombenangriff im März 1945 weggeduckt haben. Enge Gassen, aneinander geschmiegt, schön, romantisch – heimelig.

Dazwischen – das Chaos pur. Falschparker, hohes Verkehrsaufkommen, nächtliche Parkplatzsucher. Fußgänger, die sich schmal machen müssen, zwängen sich seitwärts an parkenden Autos vorbei, Mütter ängstigen sich, wenn ihre Kinder das Haus verlassen, geschweige denn vor dem Haus spielen wollen. Nicht selten rasen Autofahrer mit überhöhter Geschwindigkeit den Dalberg hinauf, und sei es nur, damit sie nicht zu spät auf dem Standesamt erscheinen, um dort eine Entscheidung für ihr ganzes Leben zu treffen, das schnell im Unglück enden kann, wenn ihnen ein Kind ins Auto läuft.

. . . eine Verkehrsberuhigung schafft eine entspannte Atmosphäre, die zum Verweilen einlädt

Anstatt die Diskussion auf die Lenkung des Autoverkehrs zu fokussieren mit der Frage, ob nun auf einer Einbahnstraße, im Begegnungsverkehr, bergauf oder Berg runter gefahren werden soll, wäre es an der Zeit die Menschen und ihre Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen.

Das heißt konkret: „Wir brauchen auf dem Dalberg zwischen Rathaus und Main Raum ohne Hindernisse, ohne Parkbuchten, ohne Parker, ohne Poller und ohne Stolperfallen. Befahrung nur mit Erlaubnis und Schrittgeschwindigkeit. Die Elektromobilität wird sich in den nächsten Jahren rasch weiterentwickeln, damit sind wir innerstädtisch emissionsfrei mobil.
Die Bevölkerung wird älter und braucht ein Höchstmaß an Komfort, das heißt ebene Straßenbeläge, um die Unfall- und Sturzgefahr zu mindern. Hohe Bordsteine sind eine Hürde für Kinderwagenschieber, E-Mobile, Betagte und Kranke, die auf Gehhilfen angewiesen sind.

Eine Verkehrsberuhigung sorgt für ein hohes Maß an Aufenthaltsqualität, dabei leiden die Kaufkraft und das Konsumverhalten keineswegs. Ganz im Gegenteil, eine Verkehrsberuhigung schafft eine angenehme Atmosphäre, die zum Entspannen und Verweilen einlädt.

Wir wollen uns als Fußgänger den Straßenraum nicht erkämpfen müssen, sondern wir wollen einen attraktiven und neu gestalteten Straßenraum in der Altstadt im freundlichen und rücksichtsvollen Umgang miteinander erleben und genießen.

Jetzt bietet sich die historische Chance für eine grundlegend neue Altstadtgestaltung mit den Menschen für Menschen. Wir brauchen eine kreative und ideenreiche Stadtplanung für Aschaffenburg mit Weitblick in die Zukunft! Mit dem Stadtring, Nordring und der Bahnparallele wurden wichtige Voraussetzungen zur Entlastung der Innenstadt geschaffen.

Wir wünschen uns eine allgemeine und konsequente Verkehrsberuhigung in der Aschaffenburger Altstadt mit mehr Aufenthaltsqualität für alle, weniger Autos und Bewegungsfreiheit für die Anwohner.

Ina Bauer | 13.04.2018

Bürgerworkshop 2016

Zukünftige Gestaltung des Dalbergs und die Verkehrsberuhigung der Aschaffenburger Altstadt

Bürgerworkshop 2016

Diese Idee “Variante C1” ist, wenn umfassend umgesetzt, eine Ideallösung für alle Anwohner. Sie sieht vor, dass das Parkhaus über den Landing angefahren und auch wieder über den Landing Richtung Wermbachstraße verlassen wird. Der Platz zwischen Theater und Rathaus ist für den Autoverkehr gesperrt und kann nur in Ausnahmefällen z. B. von LKWs durchquert werden, wenn es wegen der Größe der Fahrzeuge keine Rangiermöglichkeit gibt.

Am anderen Ende kann der Dalberg ebenfalls zwischen Suicardusstraße und Schlossgasse in beide Richtungen befahren werden, aber nur von Anliegern und Anlieferverkehr. Ursprünglich dachte ich noch, wir brauchen Kurzzeitparkplätze in diesem Teil des Dalbergs für die dort ansässigen Gewerbetreibenden. Aber nach Rücksprache mit dem niedergelassenen Arzt finden die Patienten auch jetzt zu ihm, wobei der Dalberg wegen Sanierungsarbeiten zur Zeit überhaupt nicht befahrbar ist.

Wenn man Kurzzeitparkplätze gegenüber dem Haus Nr. 74 (an der Einfahrt zur Suicardusstraße auf der linken Seite) einrichtet, die ab 18 Uhr für Anwohner frei bleiben, kann der Metzger mit wenigen Schritten erreicht werden. Und man ist auch rasch beim Arzt, um etwas abzuholen oder zu bringen. Wenn man mehr Zeit braucht, kann man in den Nahe gelegenen Parkhäusern parken oder das großzügige Parkplatzangebot auf dem Volksfestplatz nutzen.

Wenn sich der politische Wille zu dieser Lösung findet, können Eltern und Kinder aufatmen und brauchen keine hohen Bordsteine, um sich halbwegs sicher zu fühlen. Die gesamte Altstadt wird verkehrsberuhigt. Der Autoverkehr beschränkt sich nur noch auf Anwohner und Anlieferung. Der Straßenraum kann großzügig und barrierefrei gestaltet werden. Die Aufenthaltsqualität steigt. Abgas-Emissionen sinken und vielleicht kann der Metzger mit ein paar Tischen seine Kunden vor dem Laden zum Verweilen einladen, wenn er das möchte.

Die Kosten für eine elektronisch geregelte Zufahrt mit versenkbaren Pollern oder Lichtanlagen könnten mit den Anwohnerparkausweisen geregelt werden, die dann in dieser Form nicht mehr benötigt werden. Stattdessen muss man sich gegen Gebühr den Zufahrtscode auf dem Rathaus besorgen, der z. B. in Form eines Aufklebers an die Windschutzscheibe geklebt wird, wie die Schweizer Autobahnplakette.

Es wurden bedenken zu Anlieferungen an das Hotel in der Pfaffengasse geäußert, da wegen der Größe der LKWs keine direkte Anlieferung möglich ist, und die Lasten-Trollies auf dem unebenen Kopfsteinpflaster schwierig zu manövrieren sind. Es ist sicherlich machbar, auch dort einen breiten Komfortstreifen anzulegen, der ebenfalls älteren und gehbehinderten Menschen zu Gute kommt.

Nach Rückfrage bei einer Hotelbesitzerin in der Stiftsgasse zur derzeitigen Anfahrt, teilte sie mir mit, dass die meisten Gäste direkt in die Tiefgarage fahren und mit ihren Rollkoffern zum Hotel in die Stiftsgasse laufen. Auch die Anfahrt über den Löhrgraben und den Landing stellt kein Problem dar.


Wird dabei die nördliche Oberstadt zu sehr belastet?

Eigentlich hatte man einmal angedacht, die Verbindung vom Landing hoch zur Dalbergstraße als Fußgängerzone anzulegen. Aber wie verträgt sich die Kombination Parkhaus und Fussgängerzone, die durch den stark befahrenen Landing ohnehin keine wirkliche Verlängerung der Fußgängerzone von der Herstallstraße darstellt.

Wird es an dieser Stelle zu eng für den Verkehr, Fußgänger und Radfahrer? Fußgänger sind durch die beiseitigen Arkaden geschützt, kann man die Radfahrer bitten, dieses kurze Stück den Berg hinauf zu schieben?

Die Frage ist, soll man die gesamte Altstadt weiter so belasten, wie bisher oder doch nach einer Lösung suchen, die einen Großteil des Verkehrs ausschließt und eine erhebliche Fläche der Altstadt verkehrsberuhigt, was auf der westlichen Seite des Dalbergs bei einer Anlieger only Lösung der Fall wäre.

. . . oder erhöht sich der Druck auf die Schlossgasse?

Wir können es drehen und wenden, für jede Lösung müssen Kompromisse geschlossen werden. Ist es möglich die Schlossgasse ab Muttergotteskirche nur in Richtung Schloss zu befahren. Können Anlieger vom Schloss Richtung Marstall und Webergasse einbiegen und die Altstadt auch auf diesem Weg verlassen?

Wären mit der folgenden Lösung die Belastungen des Verkehrsaufkommens gleichmäßig verteilt?

  • Befahrung des nördlichen Dalbergs von und zum Landing
  • Befahrung des westlichen Dalbergs nur für Anlieger und Anlieferverkehr von und zur Mainseite und am Marstall/Schloss

Der Charme von Vorschlag C1 liegt  darin, dass ein großer Teil der Altstadt nur noch von Anliegern und Anlieferverkehr frequentiert werden kann.

 

Wie funktionieren elektronisch gesteuerte Poller?

Bei der C1 Lösung könnten elektronisch gesteuerte Poller eingesetzt werden. Dann brauchen wir keine Anwohnerparkausweise mehr sondern kleben uns eine Plakette an die Windschutzscheibe (wie die Schweizer Autobahnplakette). Das System erkennt den Zufahrtscode und ermöglicht eine Ein- bzw. Ausfahrt.

LKWs würden auch solch einen Code erhalten, damit sie in Ausnahmefällen über den Platz zwischen Rathaus und Theater fahren können. Auch dort wären elektronisch gesteuerte Poller in den Boden eingelassen, die sich bei gültigem Zufahrtscode absenken.

Ich erwähne im ersten Satz auch die Kontrolle der Ausfahrt, da es wie immer eine Möglichkeit gibt, das System zu überlisten. Das würde nämlich passieren, wenn Mütter ihre Kinder mit dem Auto zum Antoniusheim bringen, was im Plan C1 (wenn gewollt) möglich wäre, sie müssten dann aber auf dem gleichen Weg wieder an der Stiftskirche vorbei zurück zum Landing. Auf keinen Fall kann sich dieser Verkehr durch die enge Stiftsgasse/Neben der Großen Metzgergasse zwängeln, um dann Links in den Dalberg Richtung Main abzubiegen. Diese Möglichkeit bleibt nur den Anliegern vorbehalten.

Elektronisch gesteuerte Poller haben auch noch einen weiteren Aspekt, nämlich den der Sicherheit bzw. Sicherung. In Ausnahmefällen kann so der gesamte einfahrende Verkehr gestoppt werden. Sei es um eine Veranstaltung zu schützen oder im Fall eines Brandes die reibungslose Zufahrt der Lösch- und Rettungsfahrzeuge zu garantieren, oder um bei Überflutungen und anderen Katastrophen schnell und kompetent reagieren zu können.

Hier ist ein Link zu einem Artikel aus der “Kreuznacher Rundschau”. In Bad Kreuznach hat man sich für versenkbare Poller entschieden, die durch Anwohner per Signal betätig werden können.

Und ein weiterer Artikel aus den “Westfälischen Nachrichten”. Poller sind kein Tabu mehr . . .

Im Falle einer Einbahnstraßenregelung

Wenn sich partout keine Mehrheiten für den Vorschlag C1 finden würden – was dann?

Herr Prof. Horst Ziegler hat einen Vorschlag erarbeitet, der eine Einbahnregelung vom Landing hoch und Richtung Main abwärts führt. Warum den Berg runter und nicht hoch, wie in der Testphase?

Verkehr der bergab rollt, verursacht weniger Lärm und Abgas-Emissionen. Wenn es zu einer Einbahnstraßenreglung kommt, wäre diese Variante sicherlich vorzuziehen. Aber das würde bedeuten, dass das gesamte Verkehrsaufkommen über die ganze Länge des Dalbergs rollen würde. Der Plan von Prof. Ziegler sieht auch eine Verkehrsberuhigung vor, das heißt genau wie im Plan C1 sind alle Teilnehmer am Straßenverkehr gleichberechtigt. Fußgänger, Radfahrer, Elektro-Mobile und Kraftfahrzeuge . . .